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Biologisch gärtnern

Leitlinien: Biologisch gärtnern – aber wie?

Biologisches Gärtnern hat viele Vorteile: Es schafft vielfältige und gesunde Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere. Es schont natürliche Ressourcen und erzeugt unbelastetes Obst und Gemüse. Biogärtnerinnen und Biogärtner orientieren sich an den natürlichen Abläufen und Zusammenhängen; der lebende Boden steht dabei im Mittelpunkt. Sie arbeiten mit der Natur zusammen, lassen diese einen Teil der Arbeit für sich erledigen und müssen dafür weniger eingreifen.

Zahlreiche Hobby-Gärtnerinnen und Gärtner geben an, ihren Garten biologisch oder auf natürliche Weise zu bewirtschaften. Die Vorstellungen darüber, was biologisches/ökologisches Gärtnern ausmacht, unterscheiden sich jedoch deutlich. Um zu einem gemeinsamen Verständnis beizutragen, haben wir - unter Berücksichtigung bestehender Konzepte - Leitlinien des biologischen Gärtnerns entwickelt. Diese sind mit Gartenfachleuten aus ökologischen Landbauverbänden, und Gartenverbänden abgestimmt (siehe unten). Die Begriffe „biologisch“ und „ökologisch“ werden gleichbedeutend verwendet. Die Leitlinien sollen eine Anleitung bieten und den Blick weiten für die vielfältigen Aspekte des biologischen Gärtnerns.

Gärtnern kann man auf kleinstem Raum. Das zeigen urbane Garteninitiativen, die Gemüse, Kräuter und Blumen in Hochbeeten oder Säcken bzw. Kisten pflanzen. Die mit einem * markierten Maßnahmen lassen sich auch dort umsetzen.

Bodenfruchtbarkeit erhalten und fördern

  • In einer vielseitigen Fruchtfolge und/oder Mischkultur ergänzen sich die Kulturpflanzen mit ihren Ansprüchen an den Boden und fördern sich gegenseitig im Wachstum.*

  • Zur Verbesserung des Bodens werden stickstoffsammelnde Leguminosen (z.B. Bohnen, Lupinen, Klee) und Gründüngungspflanzen (z.B. Phacelia) angepflanzt.

  • Kompost, hergestellt aus Garten- und Küchenabfällen, ist zur biologischen Düngung bestens geeignet. Er enthält alle wichtigen Pflanzennährstoffe, belebt den Boden und verbessert die Bodenstruktur. *

  • Die Pflanzen im Biogarten werden nach ihrem Bedarf organisch gedüngt (z. B. mit Kompost, Mist oder Hornmehl).*

  • Eine schonende Bodenbearbeitung (mit Handgrubber und Grabgabel) zum optimalen Zeitpunkt (nicht zu feucht) fördert das Bodenleben, den Humusgehalt und die Bodenstruktur.

  • Eine ganzjährige Bodenbedeckung schützt vor Bodenabtrag.

  • Das Mulchen (Abdecken der Bodenoberfläche) mit Stroh, Grasschnitt, Laub etc. führt dem Boden Nährstoffe zu und sorgt für ein ausgeglichenes Bodenklima. Es schützt vor Bodenabtrag und unterdrückt nicht erwünschte Beikräuter.*

  • Statt Torf werden im Biogarten Komposterde oder andere torffreie Kultursubstrate verwendet. Das schont Moorlandschaften und schützt das Klima.*

Pflanzen auswählen

  • Biogärtnerinnen und -gärtner wählen bevorzugt widerstandsfähige und samenfeste Pflanzensorten, die auf natürliche Weise vermehrt werden können.*

  • Saatgut und Pflanzen stammen möglichst aus biologischem Anbau und sind nicht gentechnisch verändert*.

  • Im Biogarten wächst eine große Vielfalt an Pflanzenarten mit einem hohen Anteil an heimischen (Wild-) Pflanzen. Alte Obst- und Gemüsearten und –sorten gehören auch dazu.*

  • Die Pflanzen wachsen auf Standorten, die ihren Bedürfnissen (Bodenart, Licht, Temperatur etc.) entsprechen.*

  • Invasive Arten (laut BfN-Liste, siehe www.neobiota.de) werden vermieden, damit sie sich nicht ausbreiten und die heimische Pflanzen- und Tierwelt verdrängen können.

Pflanzen schützen

  • Im Biogarten werden die Pflanzengesundheit und die natürlichen Abwehrkräfte der Pflanzen durch vorbeugende Kulturmaßnahmen gefördert. Hierzu gehören eine optimale Standortwahl, vielfältige Fruchtfolgen und Mischkulturen sowie die Verwendung robuster Sorten. Zudem unterstützen ein geeigneter Saat- und Pflanztermin, eine angepasste Düngung und der Einsatz pflanzenstärkender Mittel die Widerstandskraft der Pflanzen.*

  • Schädlinge und nicht erwünschte Beikräuter werden auf einem tolerierbaren Niveau gehalten und nicht vollständig entfernt. Sie werden bevorzugt mechanisch reguliert, z.B. mit Striegel, Hacke u.a.*

  • Bei sehr starkem Befall durch Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten können biologische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wird im Biogarten grundsätzlich verzichtet.*

Nützlinge fördern

  • Im Biogarten wachsen viele verschiedene, möglichst heimische Pflanzenarten, die wichtig für die Tierwelt sind. Pflanzen mit ungefüllten Blüten z.B. sind eine Nektarquelle für bestäubende Wildbienen und andere Insekten.*

  • Nützlinge halten Schädlinge in Schach, wenn sie Nahrung, Rückzugsgebiete und Überwinterungsmöglichkeiten finden. Zahlreiche Biotope wie Hecken, Blumenwiesen, Trockenmauern etc. und Nisthilfen stehen für die Tiere bereit.*

  • Der Pflegeschnitt von Gehölzen und Hecken wird auf das Nötigste beschränkt und Pflanzenstängel in Beeten und Säumen bleiben für überwinternde Insekten und nahrungssuchende Vögel mindestens bis zum folgenden Frühjahr stehen. *

Ressourcen schonen

  • Biogärtnerinnen und Biogärtner bewirtschaften und gestalten ihren Garten möglichst ressourcenschonend. Sie bewässern ihren Garten vorwiegend mit gesammelten Regenwasser. *

  • Sie verwenden natürliche und schadstofffreie Baumaterialien (z.B. unbehandeltes Holz, Natursteine) aus der Region und recyceln Materialien, soweit wie möglich. *

Diese Leitlinien des biologischen Gärtnerns wurden zusammengestellt vom FiBL im Projekt „Kleine Gärten - große Wirkung“. Sie lehnen sich an Veröffentlichungen des aid (2007), BDG und NABU (2015), Naturgarten e.V. (2014) u.a. an. Sie wurden mit Vertretern von Bioland, Demeter und Naturland und urbanen Gärtnerinnen und Gärtnern abgestimmt.

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